Je schwieriger die Zeiten, desto mehr wird gefeiert. Dies ist eine Erfahrung
aus vergangenen Krisen und scheint sich auch jetzt zur Faschingszeit
wieder zu bewahrheiten. Zumindest der Einzelhandel ist
mit dem Abverkauf von Faschingskostümen, Masken, Perücken und
sonstigen Accessoires sehr zufrieden. Und wer sich mit Karnevalsartikeln
eindeckt, wird auch am Faschingstreiben teilnehmen....
Ob das alte Faschingskostüm nur ergänzt wird oder eine neue Komplettausrüstung ansteht: Das Ergebnis schlägt sich in den Umsätzen des Handels und letztlich positiv bei den Karnevalsfirmen
mit seinen gut 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nieder.
Die Mitglieder der Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der
Spielwaren-Industrie DVSI haben nach einer der kürzesten Saisonen
2007/08 mit 277 Mio. Euro Einzelhandelsumsatz die Erlöse in der vergangenen Saison 2008/2009 auf 290 Mio. Euro gesteigert. Die Umsätze beinhalten auch die Abverkäufe zu Halloween. Dieses Fest, das inzwischen umsatzmäßig für viele Branchen bereits nach Weihnachten und Ostern rangiert, wurde Anfang der 90er Jahre von der Fachgruppe Karneval in Deutschland initiiert. Im Detail setzt sich der Umsatz 2008/09 aus 1.889.000 Erwachsenen-Kostümen, 1.593.000 Kinder-Kostümen, 1.012.000 Perücken, 2.537.000 Hüten, 5.420.000 Schminksets und rund 39.000.000 Accessoires und Dekorationsgegenständen zusammen.
Diese Daten zeigen, dass die Wirtschaftskrise die Karnevalsbranche kaum tangiert hat. Gerd Horbach, Geschäftsführer der Firma Fries & Söhne: „Im Karneval lässt man gern die Sorgen des Alltags hinter sich.“
Nach Umfragen der Hersteller in der Fachgruppe Karneval ist im Handel
bis jetzt eine große Zufriedenheit mit den Abverkäufen festzustellen.
Laut Rolf Horstkotte von der Firma Hilka, Coburg, „liegen die Kaufhäuser mit ihrem Umsatz über dem Vorjahr. Außerdem sind viele neue Fachhändler mit kleinen Sortimenten in den Faschingsbereich eingestiegen.“ Diese Sicht bestätigt auch Gerd Horbach von Fries & Söhne aus Idar-Oberstein: „Durch den Wegfall von Hertie in vielen mittleren Städten verlagert sich zusätzlicher Umsatz auf den Fachhandel und die Fachabteilungen der verschiedenen Kaufhäuser.“
Die positive Geschäftsentwicklung bestätigen auch die eingehenden Nachbestellungen bei den Herstellern: „Besonders heftig werden Filmthemen wie die Wikinger und Zwerge, aber auch Kostüme der 70er Jahre nachgeordert“, sagt Susanne Müller von Festartikel Müller aus Neustadt.
„Nachgerechnet wird erst zum Schluss“, meint Günter Römer von
FKW Keller aus Bochum, denn die Saison 2009/2010 ist eine Woche
kürzer als die letzte. Aus Erfahrung bringt jede Woche länger einen
Umsatzzuwachs von etwa 3 Prozent. Und das Wetter spielt auch eine
Rolle. Da sind sich alle Hersteller einig: Bei Schneefall und Eiseskälte
sind die Städte leer und mancher Feierwillige ist dann selbst für den
Karneval nicht zu erwärmen.