Vortrag auf dem Branchenforum zum Thema ?Das Geschäft mit dem Grusel?...
Wer eine Tätigkeit ausübt ohne den Hintergrund genau zu kennen, wird zum einen nicht zufrieden sein und zum anderen keine langfristige Perspektive haben. So ist es auch mit dem ?Geschäft mit dem Grusel?. Halloween ist eine gruselige Angelegenheit, aber keine ?Horror Picture Show?, sondern eine fröhlich-schaurige Veranstaltung, die mit den üblichen amerikanischen Horrorfilmen nichts zu tun hat. Dennoch ist der Begriff Halloween in Deutschland durch einen amerikanischen Film einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Es handelt sich um den Film ?E.T.?, der Anfang der 80er Jahre ein Kassenschlager war. Die dort enthaltene Halloween-Szene war bis dato der wohl bedeutsamste Hinweis auf diesen Event.
Die landläufige Meinung, Halloween sei eine amerikanische Erfindung, ist nicht richtig. Im Gegenteil: Halloween ist ein keltischer Ritus, der in Britannien und Irland vor Urzeiten entstanden ist. Damals endete das Jahr am 31. Oktober und man glaubte, dass in dieser Nacht nicht nur die Geister der Verstorbenen umgehen, sondern auch die bösen Mächte regieren. Und erst sehr spät, nämlich mit den irischen Einwanderern des 19. Jahrhunderts, wurden die Halloweenbräuche in die Vereinigten Staaten exportiert.
Die ältesten Halloween-Feiern wurden von Druiden veranstaltet. Sie begingen das ?Festival of Samhain?, das Fest des Gottes der Finsternis. Samhain sammelte in dieser Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November die Seelen der während des Jahres Verstorbenen ein. Wegen ihrer Sündhaftigkeit waren die Seelen in die Körper minderwertiger Tiere gebannt worden ? mit Anfang des neuen Jahres jedoch waren die Sünden gesühnt und die Seelen durften in den Druidenhimmel eingehen.
Der Name ?Halloween? ist abgeleitet von ?All Hallow?s Evening?, was nichts anderes heißt wie ?der Abend vor Allerheiligen?.
Was hat nun der Kürbis, der als Halloween-Symbol gilt, mit dieser Historie zu tun? Dieses Symbol fußt auf einer alten irischen Sage über ?Jack-O?-Lantern?, einem Säufer und Unhold, der den Teufel zweimal narrte. Beim ersten Mal brachte Jack den Teufel, der ihn am Halloweenabend in die Hölle holen wollte, dazu, sich in ein Six-Pence-Stück zu verwandeln, welches Jack flux in seinen mit einem Kreuz versehenen Geldbeutel verschwinden ließ. Der Teufel, durch das Kreuz gebannt, kam erst nach dem Versprechen frei, Jack für ein weiteres Jahr in Ruhe zu lassen. Beim nächsten Halloweenfest stand der Teufel wieder auf der Matte und erwischte Jack unter einem Apfelbaum. Jack lockte den Teufel auf den Baum und schnitzte schnell ein Kreuz in den Stamm. Die Freiheit kostete den Teufel das Versprechen, die Schnapsdrossel Jack bis an sein Lebensende frei gewähren zu lassen. Als Jack schließlich starb, stand er vor dem Höllentor, das der Teufel voller Schrecken verweigerte und ihm ein Stück glühende Kohle nachwarf. Mit diesem Irrlicht wandert nun ?Jack-O?-Lantern? ruhelos durch die Welt ? symbolisiert durch den Kürbis, der im armen Irland übrigens noch eine Steckrübe war.
Halloween hatte in den 80er- bis Anfang der 90er-Jahre in Deutschland kaum eine Bedeutung. Lediglich im Frankfurter Raum auf der Burg Frankenstein bei Darmstadt und in einigen irischen Kneipen wurde dieses Fest gefeiert. Die Veranstaltung auf Burg Frankenstein rührte durch die Dominanz der US-Armee. Heute ist dieser Halloween-Event wohl der Bedeutendste in Deutschland.
Die Breitenwirkung von Halloween in Deutschland begann 1994 mit ersten Veröffentlichungen der Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie. Gemäß der eingangs erwähnten Behauptung: ?Nur die genaue Kenntnis des Hintergrunds sichert eine Perspektive?, basierten die den Medien zur Verfügung gestellten Berichte auf der Historie von Halloween. Innerhalb von 5 Jahren entwickelte sich aus diesem PR-Konzept ein Hype in der Öffentlichkeit, der bereits Kultstatus erreicht hat.
Mit Halloween-Artikeln werden heute schätzungsweise 150 Mio. Euro umgesetzt. Zwar hat die Spielwarenbranche, Abteilung Karneval, mit dieser Kampagne begonnen, aber andere Branchen wie die Süßwaren- und Getränke-Industrie sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen und erwirtschaften mehr als vier Fünftel des Umsatzes. Dort wurde das Potenzial von Halloween erkannt, der Spielwarenhandel sollte sich dieses ?Geschäft mit dem Grusel? nicht entgehen lassen.
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